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  • © ARD/Georges Pauly
  •  | Marcus Kaufhold
Interview

Zapfenstreich für Friedel



Friedel Schleiden ist seit 32 Jahren Oidtweilers Zeltwirt – in diesem Jahr zum letzten Mal. Uns hat er erzählt, wie es dazu kam und ihm fast mal das Bier ausging.





Friedel, kannst du dich noch an deine erste Kirmes als Zeltwirt in Oidtweiler erinnern?

Ja, natürlich. Das war 1992. Ich habe damals die Festzelte von Manni Bach übernommen, der auch mein Vorgänger im Alten Rad war. Manni verstarb leider im Mai 1992 und ich bin eingesprungen. Da wurde ich echt ins kalte Wasser geworfen. Mein erstes Zelt war dann das Schützenfest in Marienberg. Das war etwas kleiner als in Baesweiler oder Oidtweiler und deshalb eine gute Generalprobe. 

Warst du aufgeregt?

Ich habe manche schlaflosen Nächte gehabt, bevor das los ging. Kommt das Zelt pünktlich? Passt alles bei der Einrichtung? Da gibt es so viele Kleinigkeiten, an die man denken muss. Mein Glück war damals die erfahrene Kellnertruppe, die ich von Manni übernehmen konnte. 

Wie ging es nach der Generalprobe in Marienberg weiter?

Dann ging es nach Baesweiler – und es kam der Hammer: Das Zelt dort war damals 25 Meter breit, fast doppelt so lang. 

Der Höhepunkt kam dann ja wahrscheinlich zwei Wochen später?

Ja, also Oidtweiler war natürlich zu der Zeit ein kleineres Zelt als in Baesweiler. Aber der Verzehr pro Kopf war meistens da am höchsten. Das ist ja bis heute so: vier Tage Highlife in allen Gassen. 



Das beste Thekenteam …

Auf unser Thekenteam können Bine und ich bis heute zählen.

Zeltwirt Friedel Schleiden

Gibt es Kellner, die dich seit damals begleiten?

Ja, meine Frau Bine und Heike, zum Beispiel. Damals war auch immer Heikes Mutter Elisabeth dabei, die mir erklärt hat, wie es auf den Zelten läuft. Auf unser Thekenteam können Bine und ich bis heute zählen. 

Wolltest du denn schon immer Wirt werden?

Nein, ich bin gelernter Kraftfahrzeug-Mechaniker. Nach der Schule habe ich zunächst in Geilenkirchen bei Auto Basten meine Lehre begonnen und dort 1967 meine Gesellenprüfung abgelegt. Nach dem Wehrdienst habe ich dann bis 1982 in der Werkstatt eines Bauunternehmens gearbeitet. 

Nach Gastronomie klingt das ja noch nicht.

Ich habe damals überlegt, die Meisterprüfung abzulegen. Dafür hätte ich aber neun Monate Vollzeit zur Schule gehen müssen. Damals war ich aber schon verheiratet, hatte mittlerweile eine Tochter. Dann hätte ich nebenbei arbeiten müssen, das war alles kompliziert. Dann fragte mein Vorgänger Manni mich, ob ich bei ihm arbeiten wollte.



… der Kirmeswelt!



Und du wolltest?

Ja, ich hatte schon im Alten Rad verkehrt, ich war hier Stammgast. Dann hab ich von einem auf den anderen Tag angefangen, hier Vollzeit zu arbeiten.

Wie war das Kneipenleben, als du in den 1980ern deinen Job im Rad begonnen hast?

Früher war die Kneipe fast jeden Abend voll. Jeden Nachmittag kamen die Gäste nach der Arbeit auf ein Feierabendbier vorbei. Abends trafen sich viele Gruppen in den Kneipen. Fernseher hingen keine, da wurde sich viel unterhalten. Der Flipper lief damals wie verrückt. Eine Gruppe aus Oidtweiler hatte mal eine Asbach-Woche ausgerufen. Da ging der Asbach flaschenweise über die Theke hier. Eines Tages hat Manni mich gefragt, ob ich das Rad übernehmen will. Das war eine schwere Entscheidung: Ich habe mir sechs Wochen Bedenkzeit erbeten.

Sechs Wochen?

Ja, als Angestellter in der Kneipe hätte ich immer sagen können, ich gehe wieder in meinen alten Beruf zurück. Das wäre dann nicht mehr gegangen. Aber ich habe das mit meiner Frau besprochen und die Entscheidung nie bereut.



Friedel Schleiden vor seinem Wohnzimmer



Hast du auch seitdem auf den Kirmeszelten gearbeitet?

Ich habe hier und da mal während einer Kirmes geholfen, aber so richtig ging das ’92 los. 

Seit 32 Jahren machst du das jetzt also schon. Ist da auch mal was schief gegangen? Im Dorf kursiert nach wie vor ein Gerücht …

Vor gut 15 Jahren wäre mir mal fast das Bier ausgegangen.

Wäre ich 20 Jahre jünger, würde ich sofort weitermachen.

Zeltwirt Friedel Schleiden

Der Super-GAU …

Das wurde mir jahrelang nachgetragen. Das war am Klompenball. Auf einmal hatte ich nur noch zwei oder drei Fässer im Kühlwagen. Ich hatte Angst: Die saufen dich trocken. Da hab ich mir meinen Autoanhänger genommen und bin über den Aschenplatz hinten rum weg. Damals konnte man über den Platz noch fahren. Ich konnte ja schlecht über den Kirmesplatz fahren und Bier holen. Die hätten sich ja sonst was gedacht. Dann bin ich nach Baesweiler und habe noch vier Fässer geholt. 

Und hast du die dann noch gebraucht?

Ja, die habe ich alle gebraucht! Als ich wieder zurückkam, war dann der Ansporn unter den Besuchern noch größer, unseren Biervorrat kleinzukriegen. Wie viel getrunken wird, hängt aber auch davon ab, wie das Wetter ist, ob Urlaubszeit herrscht, ob es gerade Lohn gab oder wir am Monatsende liegen. 

Was ist denn das perfekte Kirmeswetter aus Sicht eines Zeltwirts?

Wenn das Zelt voll ist, habe ich nichts gegen einen längeren Regenschauer. Aber an den Oidtweiler Kirmestagen haben wir meistens geschwitzt. Und die Leute sind besser drauf, wenn die Sonne scheint. 

Im November wirst du 75, freust du dich auf den Zeltwirt-Ruhestand?

Ja, ich freue mich. Aber auf meine letzte Kirmes schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wäre ich 20 Jahre jünger, würde ich sofort weitermachen. 

Lieber Friedel, wir danken dir für das Gespräch. Vor allem danken wir aber dir und deinem Team für über 30 Jahre Bewirtung auf unserem Kirmeszelt.



Friedel Schleiden, Jahrgang 1949, ist in Baesweiler geboren und gelernter KfZ-Mechaniker. Maulschlüsseln, Muffen und Motoröl kehrte er 1982 den Rücken, um in seiner Stammkneipe, dem Alten Rad, anzuheuern. Im Jahr 1988 übernahm er „das Rad“. Seit 1992 betreibt er als Zeltwirt gemeinsam mit seiner Frau Sabine Festzelte, unter anderem in Oidtweiler und Baesweiler.



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